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Ukrainisch-deutsche Begegnung auf dem Bauernhof

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Aktuelles

Der Bürgerverein Groß Schönebeck hatte auf den Bauernhof von Jürgen Bohm (der wegen Erkrankung selbst gehandicapt war) zum Willkommenskaffee eingeladen und es kamen am Karfreitag trotz Kälte und Regen  rund einhundert Gäste, darunter neben einigen Tschetschenen und Syrern, die auch Kuchen für das Treffen gebacken hatten, über 30 Ukrainer, die in Groß Schönebeck, Klandorf und Zerpenschleuse eine Zuflucht vor dem mörderischen Krieg in ihrer Heimat gefunden haben. Ziel der Veranstaltung sollte das gegenseitige Kennenlernen der Ukrainer untereinander sowie mit den Helfer- und Unterstützer sein.

Der in Brandenburg lebende Ukrainer Woldja, der seit rund 20 Jahren in Deutschland ist und den freundschaftliche Bande mit Groß Schönebeck verbinden, sprach zu Beginn über die Situation in der Ukaine und lobte das Engegement  der Deutschen und insbesondere die herzliche Aufnahme, die seine Landsleute in der Schorfheide gefunden haben. Er hatte in den Wochen zuvor unsere Sachspenden in die Ukrainer gefahren und auf dem Rückweg Geflüchtete auch in die Schorfheide gebracht. Das diese Fahrten nicht gefahrlos waren, zeigt eine Verletzung durch Feindeinwirkung, die erst hier in Groß Schönebeck von Dr. Jens-Peter Schrambke behandelt werden konnte. Dr. Schrambke, der auch an der Veranstaltung teilnahm und mit einer Ukrainerin verheiratet ist, holte selbst gerade seine Schwiegermutter aus dem Kriegsgebiet.

Familie Anriiets, Wolodja, Alina Matthies (v.l.n.r.)

Gedolmetscht wurde die Vorstellungsrunde von Alina Matthies aus Zerpenschleuse, selbst Ukrainerin und mit Ihrem Mann Thomas unentwegt für die Ukrainer im Landkreis im Einsatz.

Valentina, die mit einer Gruppe von 13 Geflüchteten bei Jürgen Bohm auf dem Hof Zuflucht gefunden hat und aus der Region Tschernihiw nordöstlich von Kiew berichtete, das ihr Hof völlig zerstört sei und sie alles zurücklassen musste. Hier auf dem Traditionsbauernhof fühle sie sich wie zuhause mit den Tieren und der Landwirtschaft und freue sich schon darauf, die demnächst ankommende trächtige Kuh melken zu können. Gerade eingetroffen in der Schorfheide ist eine Familie aus der Hölle von Butscha, einem Vorort von Kiew, an dem zahlreiche russische Kriegsverbrechen begangen wurden, die nun in Klandorf eine kleine Wohnung im Theaterhaus von Corinna Harfouch gefunden hat. Eine Tierarztfamilie mit drei Kiindern hat bei Familie Grete in der Mühlenstraße eine Zuflucht gefunden und kämpft nun unterstützt von ihrer Gastgeberfamilie um die berufliche Anerkennung, um arbeiten zu können. Eine andere sechsköfige Familie hat bei der SAG ein Quartier gefunden und der Vater Arbeit in unserem Landwirtschaftsbetrieb. Andere aus der Westukraine kommende konnten eine Wohnung, Arbeit und Betreuung auf dem Gut Sarnow finden. Auch die Frauen, die nicht aus einem unmittelbaren Kampfgenbiet kommen, zeigten sich gezeichnet von der Sorge um ihre Kinder und ihre Angehörigen in anderen Landesteilen und von der Fluchterfahrung.

Den Geflüchteten wurden die Ansprechpartner vor Ort vom Moderator Rainer E. Klemke vorgestellt wie Karin Friedrich und Heidrun Jobzyk, die Deutschkurse für unsere Geflüchteten im Bürgerhaus anbieten, Ulrich Jocoby, der die Neuankömmlinge einlud, im Garten der Nationen eigene Beete anzulegen, Tobias Biermann, der als Leiter unserer Kita mit den Geflüchteten zur Kitaunterbringung der Kinder im Gespräch ist und natürlich unser Ortsvorsteher Andreas Zeidler, der die Ukrainer in Groß Schönebeck willkommen hieß und allen Helfer dankte. Dr. Schrambke bot den Geflüchteten medizinische Hilfe in ukranischer Sprache unabhängig von der Klärung der Kostenfrage an.

Für die Kinder gab es einen Tisch mit Kleidung und Spielzeug zum Mitnehmen.

Gert Schüler, der mit seinem Freud Wolodja unermüdlich für die 13 Ukrainer auf dem Traditionsbauernhof Hilfestellungen leistet, präsentierte mit seinen Kindern Aron und Alina Bob Dylans Lied aus der Zeit des Koreakrieges "blowin in the wind" nachdem die Schorfheider Jagdhornbläser die Veranstaltung mit ihren Klängen eingeleitet hatten.

Angeboten wurde den Ukrainern neben der Unterstützung bei ihren Behördengängen eine Wanderung zu den Seen der Gemeinde, ein kostenloser Besuch des Jagdchlosses zu "Jagd und Macht in der Schorfheide" angeboten sowie die Teilnahme an der TAFEL-Versorgung.

Die Ukrainer betonten immer wieder ihre große Dankbarkeit für die warmherzige Aufnahme im Dorf bei ihren Gastgebern sowie deren großes Engagement und brachten es auch mit vielen Umarmungen zum Ausdruck. Dann verabredeten sich viele zum Besuch des traditionellen Osterfeuers am Ostersamstag auf dem Festplatz am Kastanienweg.

Zu Gast bei der Veranstaltiung war auch wieder einmal brandenburg aktuell vom rbb, der am 15.04.2022 diesen Beitrag dazu sendete:

https://www.ardmediathek.de/video/rbb24-brandenburg-aktuell/nachrichten-i/rbb-fernsehen/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvYnJhbmRlbmJ1cmdha3R1ZWxsLzIwMjItMDQtMTVUMTk6MzA6MDBfZjk1OWNkNjQtNGY1OS00NWE1LWI4YjItMTcxZDg5YmM1YWE3L25hY2hyaWNodGVuLW5hZ2Vsa3JldXprYXBlbGxlLXdpbGxrb21tZW5zY2FmZS1jb3JvbmE