Willkommensteam Groß Schönebeck

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Garteneinweihung und Baumpflanzung mit prominenten Gästen

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Willkommensteam Groß Schönebeck


Die Brandenburger Sozialministerin Diana Golze (2.v.r.) und die Landesintegrationsbeauftragte Dr. Doris Lemmermeier (rechts im Bild), Ortsvorsteher Hans-Joachim Buhrs, Hauptamtsleiterin Angela Braun (in Vertretung von Bürgermeister Schoknecht), der Berliner Baumpate Ben Wagin und seine Muse Dafne, der für den Jugendclub Verantwortliche bei der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, Herr Klinghammer, die Schorfheider Jagdhornbläser, die zum Sammeln bliesen und für einen klangvollen Auftakt sorgten, und 70 Neu- und Altbürger aus dem Dorf weihten den neuen "Garten der Nationen" am 27. Juli neben dem Jugendclub in der Mühlenstraße ein. Ministerin Golze, Herr Klinghammer und Ben Wagin sowie die Gemeinde Schorfheide stifteten dabei neue Obstbäume für den Garten, die von fleißigen Händen in die Erde gebracht wurden. Für das Angießen sorgte der Himmel, der just zur Veranstaltung seine Pforten öffnete, um mit seit Wochen herbeigesehnten Nass den Garten zu tränken. (Ansonsten füllt unsere Freiwillige Feuerwehr alle zwei Tage die Zisternen, um das überbordende Wachstum auf den Hochbeeten zu befördern.)

Zum Bericht des Ostbrandenburger Fernsehens über die Einweihung des Gartens der Nationen geht es hier:
http://www.odf-tv.de/mediathek/25685/Garten_der_Nationen_offiziell_eroeffnet.html


Infolge des zunehmenden Regens wurde der kulinarische Teil der Veranstaltung mit leckeren Spezialitäten in die Küche des Jugendclubs verlegt, wo ja jede gute Fete irgendwann endet und die Kommunikation umso intensiver ist.
Zuvor hatte Frau Golze, die Hauptförderin des Gartens der Nationen, das Projekt als beispielhaft und wegweisend gelobt und sich gefreut, dass sich bereits die andere Willkommensinitiativen interessiert zeigen, nach diesem Vorbild auch ein solches Projekt anzugehen. Auch von Seiten der Stiftung Lobetal kamen Glückwünsche und die große Bereitschaft, die Zusammenarbeit mit dem Jugendclub gemeinsam neu zu gestalten und sich demnächst zum konkreten Tun zusammenzusetzen. Ben Wagin lobte den Projektleiter Jan Ivers und alle Beteiligten Neu- und Alt-Groß Schönebecker mit den Worten: "Da können sich die Gestalter der Bundesgartenschau eine Scheibe abschneiden." und wollte das ganze Team vom Fleck weg für sein derzeitiges Gartenprojekt am Anhalter Bahnhof engagieren. Das wird zwar aus verschiedenen Gründen so nicht möglich sein, aber, da die Ministerin spontan zusagte, einen Bus für einen Trip der Geflüchteten zum Anhalter Bahnhof und damit zum Deutschen Technikmuseum zu finanzieren, wird es einen Ausflug für die Neubürger und ihre Betreuer zu einer Besichtigung von Bens Parlament der Bäume am Bundestag und des Deutschen Technikmuseums/Anhalter Güterbahnhof geben.

Danksagung:

„GARTEN DER NATIONEN"
Danksagung allen Unterstützern und Spendern, die dieses transkulturelle Gartenprojekt als einen Ort der Begegnungen ermöglicht haben für alle Kinder – den Kleinen und den Großen in Groß Schönebeck
in Kooperation mit der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal bei Bernau
insbesondere seien erwähnt:
Landessozialministerin Diana Golze
Landesintegrationsbeauftragte Dr. Doris Lemmermeier
Markus Suter mit Familie
Ralph Klinghammer und Martin Falk
Annette und Stefan Flade
Ortsbeirat Groß Schönebeck mit Ortsvorsteher Achim Buhrs
Bürgerverein Groß Schönebeck mit
Rainer E. Klemke und Karin Friedrich
Bürgermeister Uwe Schoknecht und Mitarbeiter der Gemeinde Schorfheide
Den Paten und Aktiven des Willkommensteams
Annette Riehl und Jan Ivers
Barbara Weiser und Roman Parske
Die Forst, Groß Schönebeck
Die Freiwillige Feuerwehr von Groß Schönebeck

Die Unterstützer durch Spenden, Sachspenden sowie Materialrabattierung oder tatkräftigen oder mentalen Support:
Robeta Holz OHG, Milmersdorf
Peter TiefHoch GmbH&Co.KG, Oranienburg
Firma CHB, Garten-und Landschaftsbau Klosterfelde
Jürgen Bohm, Groß Schönebeck
Betina Post/Astrid Schade Böhmerheide
Horst Maaß Recycling GmbH, Gross Schönebeck
Hegener Baustoffe, Groß Schönebeck
Firma Reinhard Mendel, Klosterfelde
Reitstall Böse
Andreas Baumgärtner
SAG, Groß Schönebeck
Fliesenspecht, Axel Kock
sowie der freundlichen Nachbarschaft
Bürgermeister Herrn Uwe Schoknecht und MitarbeiterInnen

und natürlich allen:
den beteiligten Kindern der Kita Borstel, den aktiven Jugendlichen des Jugendclubs Scheune1.0 sowie den beteiligten Kindern mit Migrationshintergrund
Allen neuen Mitbürgern und Flüchtlingsfamilien, die durch fast drei Monate tägliche 2-3 Stunden Arbeit trotz Ramadan und Hitzephasen, diesen Kulturgarten erst möglich gemacht haben:
Familie Maaz mit Maazen Adil, Ahmad,
Familie Pukujew mit Achmed
Familie Mezhidov mit Dzhamalaji, Dzhabrail
Familie Kadiev mit Iles, Eliza Babaev
und Zaynap Arsunkaeva
Familie Mifleh mit Baha
Baschar Kabbani und Jassir Muhammed

 


Das Ostbrandenburger Fernsehen  (aufzurufen im Internet) und die MOZ berichteten ausführlich über die Garteneinweihung.

Zu Beginn der Veranstaltung sprach der Sprecher des Willkommensteams, Rainer E. Klemke, über das Gartenprojekt und die Probleme, vor denen die Neubürger in Groß Schönebeck stehen:

 

Zu Beginn ein herzliches Dankeschön für den ortsüblichen jagdlichen Auftakt unserer heutigen Veranstaltung an die Schorfheider Jagdhornbläser!

Dann ein herzliches Dankeschön, dass Sie trotz des Gewtters so zahlreich unserer Einladung zur Einweihung unseres Gartens der Nationen und der Pflanzung der Obstbäume gefolgt sind und ein besonderes Dankeschön an unsere auswärtigen Gäste und insbesondere an Frau Ministerin Golze und ihre Landesmigrationsbeauftragte Frau Dr. Lemmermeier, ohne deren Förderung dieser Garten nicht entstanden wäre!

Herzlichen Dank auch an die Gemeinde Schorfheide, liebe Frau Braun, und unseren Ortsvorsteher Buhrs, die uns bei unserer ehrenamtlichen Arbeit immer zur Seite stehen.

Ohne das unermüdliche Wirken von Jan Ivers als Leiter dieses Integrationsprojekts und die fleißigen Hände der Familien der Geflüchteten und von Mitgliedern des Willkommensteams, ohne die Sachspenden von Unternehmen und Einzelpersonen aus dem Ort ständen wir aber auf einer leeren Wiese.

Auch Ihnen allen dafür ein herzliches Dankeschön!

Warum haben wir uns aufgemacht, einen solchen Garten der Nationen anzulegen?

Worum geht es hier eigentlich?

Es geht darum, die in der Heimat erfahrene Zerstörung hinter sich zu lassen, die unsere Neubürgerinnen und Neubürger gezeichnet hat.

Es geht darum, etwas gemeinsam aufzubauen, etwas mitzugestalten.

Es geht darum, Sprachbarrieren abzubauen, in der praktischen Arbeit Begriffe von Werkzeugen und Arbeitsweisen zu lernen und einzuüben.

Es geht darum, den Kontakt der Neubürger untereinander sowie mit den Groß Schönebeckern weiter zu knüpfen und zu intensivieren.

Es geht darum, Wurzeln zu schlagen, Berührungsängste abzubauen, ein Teil von einem Ganzen zu werden.

Es geht um den Garten der Nationen als eine Metapher, gibt er doch Raum für vielfältige Begegnungen/Kurse/Events, lässt Erfahrungen zu, nicht nur für unsere Geflüchteten, sondern auch für die Jugendlichen im Jugendzentrum und für das ganze Dorf.

Es geht darum, nicht nur gemeinsam zu bauen, zu pflanzen, zu ernten und zu kochen, sondern hier auch gemeinsam zu feiern und zu lernen.

Wir freuen uns sehr, dass uns unsere Neubürger ihr Vertrauen geschenkt und sich auf dieses Projekt eingelassen haben, ohne ihren Willen und ihre Kraft wäre dieses ehemalige Ackerland weiterhin ein brachliegende Wiese.

Wir freuen uns sehr, dass die Familie Suter durch die kostenlose Überlassung dieses 2000 qm großen Grundstücks unserer Idee einen Raum gegeben hat und wir sind sehr glücklich, sehr geehrter Herr Klinghammer, dass wir mit der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal einen Vertragspartner für den Pachtvertrag gefunden haben, der auch das Jugendzentrum betreibt und mit dem wir gemeinsam weitere Ideen für integrierte Projekte für unsere Kinder und Jugendlichen entwickeln können.

Auf dem steinigen Weg der Integrationsarbeit sind wir auch mit großer Unterstützung des Landkreises und Ihrem Hause, sehr geehrte Frau Golze, hier in Groß Schönebeck ein gutes Stück voran gekommen. Auch dafür sind wir sehr dankbar. Unsere Neubürger sind hier gut angekommen und wollen gern hier bleiben.

Nach wie vor das drängendste Problem ist allerdings die fehlende Mobilität durch die mangelnde Nahverkehrsanbindung, die die berufliche Integration verhindert. Unsere syrischen Brüder Maaz, die handwerkliche Genies sind und die auch hier im Garten die Tischlerarbeiten ausgeführt haben, könnten und würden gern sofort im Landkreis bei Tischlereien, die dringend Kräfte suchen, Arbeit finden, wenn es entweder eine Verkehrsanbindung gäbe oder sie ihren Führerschein anerkannt bekämen. Die vielfältigen Wege zu den Ämtern in Finowfurt, Eberswalde und Eisenhüttenstadt konnten wir mit dem Auto, das uns ein Förderer als „Dienstwagen“ zur Verfügung gestellt hat und mit ehrenamtlichen Helfern begleiten, eine Regelbeförderung zum Arbeitsplatz können wir aber nicht leisten. Schwierig genug ist es schon einen Fahrdienst zum Integrationskurs nach Eberswalde zu organisieren, weil während der Ferien kein Schulbus fährt, der ansonsten als einzige Möglichkeit morgens und mittags genutzt werden kann.

Ein anderes Problem, das uns große Sorgen macht, ist die Mietpreisobergrenze von 4 Euro 50, zu der sie derzeit auch hier auf dem Lande keine Wohnung mehr bekommen können. Wir benötigen dringend Wohnungen für zwei Tschetschenische Familien, die ihre bisherigen wegen einer Generalsanierung räumen müssen und für zwei syrische Familien, die durch den Familiennachzug in eine unzumutbare Wohnsituation gekommen sind. Es gäbe hier auch Wohnungen und Vermieter, die bereit wären, an diese Familien zu vermieten, sie kosten aber um die 6 €. Es gäbe vielleicht die Möglichkeit, eine möglicherweise günstigere Wohnmöglichkeit in einem Neubaublock in Eberswalde zu finden, aber dann könnten gerade Mitglieder dieser Familien nicht die Praktika bzw. Ausbildungen, die sie nun nach langer Suche hier in Groß Schönebeck gefunden haben, fortsetzen.

Sie sehen, sehr geehrte Frau Golze, die Unterbringung von Geflüchteten auf dem Lande bringt besondere Integrationschancen, aber auch besondere Probleme – die aber nicht nur Geflüchtete betreffen. Es wäre wunderbar, wenn Sie uns auch dabei Wege eröffnen könnten, diese zu lösen.

Wir haben unser Gartenprojekt als Modellvorhaben verstanden und freuen uns nun sehr, das schon heute Mitstreiter aus Wandlitz unter uns sind, die sich anschauen wollen, was hier entstanden ist und die uns um Beratung und Begleitung gebeten haben, so wie wir bei unserem Start von deren Erfahrungen profitierten. So können wir voneinander lernen und gemeinsam neue Wege beschreiten – auch über die Orts- und ggf. auch Landkreisgrenzen hinweg.

Wir freuen uns, wenn unsere Gartenidee im Wortsinn wie auch von der Idee her Früchte trägt, wenn sie dazu beiträgt, Barrieren zu überwinden, bleibt doch der und das Fremde so lange fremd, bis man ihn oder es kennenlernt. Dazu laden wir hier im Garten der Nationen herzlich ein, auch als ein Angebot an das ganze Dorf. So wie dieses sind alle unsere Angebote von der TAFEL über das REGAL, unserer Bibliothek, unserer Computer- und Internetschulung und das Free-Net im Dorfkern – um nur einige zu nennen, die vom Bürgerverein organisiert werden -, für jedermann offen. Herzlich einladen möchten wir auch zu unserem nächsten großen Projekt im Herbst diesen Jahres, die gemeinsame Gestaltung eines 300 qm großen Wandbildes mit den Märchen- und Sandmannfiguren des Groß Schönebecker Dichters Walter Krumbach an einer Scheunenwand in der Schlufter Straße anlässlich dessen 100. Geburtstages am 1. April 2017.

 

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Einweihung des „Gartens der Nationen“

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Willkommensteam Groß Schönebeck

 


des Willkommensteams des Bürgervereins Groß Schönebeck/Schorfheide e.V.

 

Wann:
Mittwoch, den 27. Juli 2016, 16 Uhr

Wo:
Mühlenstraße 20 in Groß Schönebeck, neben dem orangenen Jugendclubgebäude auf der linken Straßenseite (die Mühlenstraße geht von der L 100 in der Ortsmitte rechts ab – wenn man von Süden kommt)

Wer:
- Ministerin des Landes Brandenburg für Arbeit, Soziales, Gesundheit Frauen und Familie, Diana Golze
- Landesintegrationsbeauftragte Dr. Doris Lemmermeier

- Baumpate und Aktionskünstler Ben Wagin mit der Berliner Künstlerin Dafne
- Groß Schönebecker Ortsvorsteher Hans-Joachim Buhrs
- Amtsleiterin Angela Braun (Gemeinde Schorfheide, in Vertretung des Bürgermeisters)
- Willkommensteamleiterin Pfarrerin i.R. Annette Flade
- Rainer E. Klemke, Sprecher des Willkommensteams des Bürgervereins
- Jan Ivers, Projektleiter des Gartens der Nationen
- bis zu 43 Geflüchtete aus Syrien, Tschetschenien und Pakistan
- Mitglieder des Bürgervereins Groß Schönebeck

Was:
Einweihung des Gartens der Nationen für Geflüchtete und Jugendliche des Jugendzentrums 1.0 Groß Schönebeck
2000 qm Grundstück wurde kostenlos von einem Anwohner für zunächst 5 Jahre zur Verfügung gestellt, Pachtvertrag läuft über den Betreiber des Jugendzentrums, die Lobetaler Anstalten
Projektförderung durch das Sozialministerium 3050 €
Sachspenden weitere 2500 €
unfruchtbares Wiesenland wurde mit Hochbeeten ausgestattet, umfriedet, Bau eines Gewächshauses für Tomaten sowie eines Gerätehauses, das auch als Laden ausgeklappt werden kann für Veranstaltungen sowie eine umfriedete Sitz-/Grillgruppe mit selbstgebauten Palettenmöbeln ausgestatte; für die Beete wurden Mist, Kompost und Mutterboden angefahren und eingefüllt und dann u.a. mit Kräutern, Stangen- und Buschbohnen, Beeren, Salaten, Kürbis- und Zuccini, Rettich, Zwiebeln, Zier- und Rankpflanzen bepflanzt
Beteiligt waren die geflüchteten Familien, deren PatInnen sowie SpenderInnen und Jugendliche aus dem Jugendclub


Wie:
Begrüßung der Anwesenden durch den Sprecher des Willkommensteams
Grußwort der Ministerin
Pflanzung der Obstbäume durch Ministerin, Ben Wagin, Gemeindevertreterin, Ortsvorsteher
Kunstaktion von Ben Wagin und Dafne

Gespräch mit Geflüchteten und Willkommensteam bei einem kleinen orientalischen Imbiss

 

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Gegen weitere Verschärfungen des Asylrechts

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Willkommensteam Groß Schönebeck

Die Antwort aus dem BMI reißt einen ja vom Stuhl! Kein Wort einer Antwort auf unsere Fragen, keine Stellungnahme zu unserer Situation oder wie der Minister dazu steht, sondern die Bekanntgabe der Adresse des Petitionsiausschusses des Bundestages, an den wir uns ja wenden könnten. Das ist schon starker Tobak, wenn das dann noch unter "Bürgerservice" firmiert.

Jeder, der das Geschäft kennt, weiß, dass ein Minister solche Briefe nicht zu Gesicht bekommt. Deshalb kann sich sein Haus auch die Floskel sparen, dass er den Brief sorgfältig gelesen haben soll. Was man aber von einer gut geleiteten Verwaltung erwarten kann ist, dass im Sinne des Minister zu Bürgerfragen inhaltlich Stellung genommen wird und Fragen geklärt werden. Hier tut die Verwaltung so, als sei sie im Grund überhaupt nicht zuständig und beweist damit, dass sie selbst den Brief nicht gelesen hat, sondern eine Bausteinantwort zum Abwimmeln abschickt. Soviel zur Praxis gegenüber den allfälligen theoretischen Sonntagsreden auch dieses Ministers in Richtung der Arbeit der Willkommensinitiativen, wenn er bzw. sein Haus es noch nicht einmal für wichtig erachten, einfache Fragen zu beantworten, für die sie unmittelbar zuständig sind.

Hier der Wortlaut der Antwort auf unser u.s. Brief:

"Sehr geehrter Herr Klemke, 

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 20. Juni 2016 an Herrn Bundesinnenminister Dr. de Maiziére, in dem Sie die Anerkennungspraxis des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie Teile des Entwurfes Integrationsgesetz kritisieren, da sie den Schutzsuchenden keine Bleibe- und Integrationsperspektive bieten. 
Herr Minister erhält täglich so viele Zuschriften, dass es ihm nicht möglich ist, jedes persönlich zu beantworten. Daher hat er mich gebeten, Ihnen zu antworten. 
Sie können gewiss sein, dass Herr Minister Ihr Schreiben aufmerksam gelesen hat. Der Gedankenaustausch mit den Bürgern ist Orientierungshilfe in der politischen Meinungsbildung und im Entscheidungsprozess. Daher haben die Meinungsäußerungen und Bewertungen der Bürgerinnen und Bürger einen hohen Stellenwert in unserem Haus. 

Das Integrationsgesetz wurde zwischenzeitlich am 8. Juli 2016 vom Deutschen Bundestag verabschiedet. 
Ich möchte Sie auf Artikel 17 Grundgesetz-GG hinweisen. Danach hat jedermann das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden. 
Sie können von diesem Petitionsrecht gegenüber dem Deutschen Bundestag Gebrauch machen. 

Gerne übermittele ich Ihnen die Kontaktmöglichkeiten. 
https://epetitionen.bundestag.de/epet/kontakt.nc.html
https://epetitionen.bundestag.de/

Mit freundlichen Grüßen 
Im Auftrag 
Stefanie Losem 
Bundesministerium des Innern 
- Bürgerservice - "

Brief des Willkommensteams an Bundesinnenminister Thomas de Maiziére

 

An den

Bundesminister des Innern

Herrn Thomas de Maiziére

Alt-Moabit 140
10557 Berlin                                                                                             Schorfheide, den 20. Juni 2016

Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister!

Seit vielen Monaten betonen Sie, dass Geflüchtete sich integrieren sollen. Sie rufen die Bevölkerung dazu auf, dies zu unterstützen, woran unzählige Initiativen in allen Städten und Dörfern seit Jahr und Tag unermüdlich arbeiten.

Gleichzeitig verschärfen Sie die Praxis der Anerkennung von Kriegsflüchtlingen aus Syrien, obwohl sich die Lage dort nicht geändert hat, obwohl die Zahl der Neuankömmlinge dramatisch gesunken ist, obwohl die Zahl der nachkommenden Familienangehörigenstark unter den Voraussagen liegt und Sie (bzw. das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF) kooperieren mit dem Assad-Regime, dass mit der Ausstellung von Pässen seine Kriegskasse auffüllt.

Warum diese Veränderung der verkürzten Anerkennung (subsidiärer Schutz nur für 1 Jahr)durch das BAMF, die nicht mehr einem Schutz der geflüchteten Syrer gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention entspricht?

Wer hat diese Veränderung mit welchen Begründungen beschlossen und in Kraft gesetzt? Warum wollen Sie z.B. erwachsene Kinder und Eltern voneinander trennen, die bereits in Deutschland leben, nun einen unterschiedlichen Aufenthaltsstatus zuerkannt bekommen und erneut in ständiger Trennungsangst leben müssen?Warum bei Bürgerkriegsflüchtlingen jetzt wieder eine Einzelfallprüfung? SEHR viel mehr Arbeit in einer Situation, in der das BAMF immer noch hunderttausende unbearbeitete Asylanträge aus 2015 hat? Es gibt inzwischen viele Untätigkeitsklagen, weil es seit Monaten zu keiner Bearbeitung der Asylanträge kam. Mit der Vergabe des viel geringeren Schutzes (subsidiärer Schutz für 1 Jahr) verschlechtert sich der Status der Geflüchteten sehr: Kein Familiennachzug, Wohnsitzauflage und KEIN Anspruch mehr auf die Teilnahme am Integrationskurs!

Wir haben bereits eine schriftliche Mitteilung vom BAMF für einen syrischen Flüchtling aus Eberswalde vorzuliegen. Er hat im Mai seine subsidiäre Schutzanerkennung bekommen (bisher galt auch bei subsidiärem Schutz das Recht auf Teilnahme an einem Integrationskurs Vgl. § 44 Abs. 1 Nr. 1c AufenthG), dann hat er - wie für alle Anerkannte vorgeschrieben - den Antrag auf einen Integrationskurs gestellt. Schon am 2.6.16 kam der ablehnende Bescheid vom BAMF mit der Begründung: geringe Bleiberechtsperspektive, darum kein Integrationskurs! Das ist nun auch für weitere fünf aus Syrien Geflüchtete in unserem Dorf (sie hatten vor wenigen Wochen ihr Interview in Eisenhüttenstadt beim BAMF) zu erwarten: Ehefrauen, erwachsene Kinder, von denen die Väter vor vier Monaten die dreijährige Anerkennung nach der Genfer Flüchtlingskonvention bekommen haben. Alle lernen seit sie in Groß Schönebeck mit viel Eifer dreimal in der Woche Deutsch bei ehrenamtlichen Mitgliedern unseres Willkommensteams. Wie absurd ist die neue Situation für die Flüchtlinge und auch für alle ehrenamtlich Engagierten? Was bedeutet jetzt "Integration"? Eine Anforderung, die an die Flüchtlinge bisher ständig gestellt wurde, wenn sie jetzt weder deutsch lernen dürfen noch andere Kenntnisse über Deutschland und das Leben in diesem Land erhalten, sondern herumsitzen müssen und einer ungewissen Zukunft entgegensehen? Was soll in diesem "Schutz-Jahr" für die Geflüchteten passieren: wieder nur warten? Wie ist das mit den Ankündigungen durch die Bundesregierung von wichtigen, guten und schnellen Vorbereitungen auch für den Arbeitsmarkt gemeint? Durch die Wohnsitzauflage beim subsidiären Schutz darf nun ein junger Syrer (30 J.) aus Groß Schönebeck auch nicht zu seiner alten Mutter (über 70 J.) nach Bayern ziehen, was er nach seiner Anerkennung schnell machen wollte, weil sie dringend seine Hilfe braucht. Alle anderen wollen ohnehin bei uns im Dorf (mit einem bundesweiten Wettbewerb des Bündnisses für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet) bleiben, weil sie hervorragend aufgenommen und integriert sind.Wir wenden uns auch entschieden gegen die im Entwurf des Integrationsgesetzes vorgesehene Änderung des § 29 Abs. 1 Nr. 4 Asylgesetz, die zu einer fundamentalen Beschneidung des Asylrechts führen könnte. Diese Regelung wurde nachträglich in den Entwurf aufgenommen und ist von der Bundesregierung bislang nicht öffentlich erwähnt worden:

Der Gesetzentwurf sieht bisher vor, dass ein Asylantrag unzulässig ist, wenn ein Drittstaat (der nicht an die Bestimmungenn der Genfer Flüchtlingskonvention gebunden sein muss) bereit ist, die Antrag stellende Person wieder aufzunehmen. Damit könnten Menschen ohne inhaltliche Prüfung ihres Asylantrags in Staaten, die nicht Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind und die auch nicht als „sichere Drittstaaten“ im Sinne des Grundgesetzes anerkannt sind, abgeschoben werden. Nach dem Entwurf soll auch die Anhörung zu der Frage, ob ein Asylantrag zulässig ist, zudem auf andere Behörden als das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge übertragen werden können – also etwa nach kurzer Schulung auch auf Bundes- oder Landespolizisten. Diese vorgesehenen Änderungen sollten dringend aus dem Entwurf des Integrationsgesetzes gestrichen werden.

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

  • bewahren Sie als Verfassungsminister unser Asylrecht und setzen Sie die Bestimmungen Genfer Flüchtlingskonvention auch in Deutschland um! Kein anderes europäisches Land steht wie wir dazu aufgrund unserer Geschichte in einer historischen Verpflichtung!

  • Sorgen Sie, gerade als christlicher Politiker, dafür, dass die Familien zusammenleben können und den gleichen rechtlichen Status haben!

  • Geben Sie den Geflüchteten, die z.T. unglaubliche Leidensgeschichten haben, Ruhe, Sicherheit und eine Perspektive und schaffen Sie nicht immer neue Ängste und Hürden!

  • Denken Sie bei Ihren notwendigen Anti-Terror-Maßnahmen daran, dass allein in den wenigen Monaten diesen Jahres schon mehr Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind, weil die EU durch ihre Abgrenzungspolitik das Geschäft der Schleuser überhaupt erst ermöglicht, als in ganz Europa jemals durch terroristische Anschläge ums Leben gekommen sind!

Mit freundlichen Grüßen

Rainer E. Klemke

Sprecher des Willkommensteams des Bürgervereins Groß Schönebeck/Schorfheide e.V.

Tel.:0152 34142946

Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pfarrerin i.R. Annette Flade

Leiterin des Willkommensteams

 

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Eine Schiffstour mit dem Museumsschiff durch Berlin

Geschrieben von Rainer Klemke am . Veröffentlicht in Willkommensteam Groß Schönebeck

Zainabi Shovlachov feierte ihren Geburtstag am 10. April 2016 auf dem Museumsschiff MS Frohsinn, das auch selbst Geburtstag hatte und gerade 90 Jahre alt wurde. Zur sechstündigen Fahrt durch die Hauptstadt, die die Stiftung Museumshafen Berlin organisiert und gesponsert hatte (mit einem Zuschuß des Landkreises - Dank an Frau Bierwirth), gab es ein wunderbares orientalisches Buffet, das den bedeckten Himmel vergessen ließ. Mit dabei war nicht nur Zainabis Familie aus Vetschau, sondern auch alle Neubürgerfamilien aus Groß Schönebeck.

Es war eine sehr fröhliche Fahrt, die ganz im Gegensatz stand zu den traurigen Erlebnissen unserer Syrer auf der Ägäis. Eine Fahrt mit vielen Gesprächen und Informationen zu Berlin und seiner bewegten Geschichte, wobei die Architektur und die Kriegsgeschichte vor allem im Mittelpunkt der vielfältigen Nachfragen stand. Ein ganz besonderes Erlebnis war es für die Kinder, die auf der Brücke des Schiffes das Steuerruder führen durften. Spannend waren auch die Bergung eines am Osthafen über Bord gegangenen Polsters und die Fahrt durch die diversen Schleusen und am meisten Spaß hatten die Kinder am Widerhall ihrer Stimmen unter den Brücken.


Vielen Dank an Käpitän Manfred Pflitsch und seine Crew, die mit großer Geduld und Freundlichkeit die kleinen und großen Passagiere betreuten. Vielen Dank wiederum auch an Karin Friedrich und Familie Jacoby für die Begleitung und Unterstützung!
Mehr dazu war in der MOZ (Eberswalder Ausgabe) vom 12. April zu lesen, die mit ihrer Reporterin Frau Dreyer die Fahrt begleitete.